Fachkräftemangel in der Steuerberatung: Zahlen und was Kanzleien tun
Der Fachkräftemangel in der Steuerberatung lässt sich beziffern: Laut STAX-Befragung der Bundessteuerberaterkammer konnten Einzelkanzleien zuletzt nur knapp 40 Prozent ihrer offenen Stellen besetzen, Berufsausübungsgesellschaften knapp 70 Prozent. Meist fehlten Bewerbungen oder die Bewerber passten nicht. Kanzleien, die trotzdem einstellen, sprechen Fachkräfte an, die gar nicht suchen.

Wie viele Stellen Kanzleien besetzen
Die Bundessteuerberaterkammer befragt den Berufsstand regelmäßig. An der Erhebung STAX 2024 nahmen rund 6.000 Berufsträger teil, die Ergebnisse wurden im Januar 2025 veröffentlicht.
Anteil der offenen Stellen, die besetzt werden konnten, laut STAX 2024
| Kanzleiform | Besetzte Stellen |
|---|---|
| Einzelkanzleien | knapp 40 % |
| Berufsausübungsgesellschaften | knapp 70 % |
Gesucht wurden vor allem Steuerfachangestellte und Steuerberater. Als Grund nennen die Befragten häufig, dass Bewerber fehlten oder nicht geeignet waren. Quelle: NWB zu STAX 2024.
Auffällig ist der Abstand zwischen kleinen und großen Einheiten. Größere Gesellschaften haben eher eine Person, die sich um Personal kümmert, und sind als Arbeitgeber sichtbarer.
Der Berufsstand wächst, die Ausbildung nicht
Berufsstatistik der Bundessteuerberaterkammer für 2025, Stichtag 1. Januar 2026
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Mitglieder der Steuerberaterkammern | 105.953 |
| davon natürliche Personen | 89.549 |
| Berufsausübungsgesellschaften | 15.232 |
| Frauenanteil | 39,3 % |
| Ausbildungsverhältnisse zum Steuerfachangestellten | 17.081 (1,3 % weniger als im Vorjahr) |
Quelle: Berufsstatistik der Bundessteuerberaterkammer. Es gibt also mehr Berufsträger und mehr Gesellschaften, aber etwas weniger Nachwuchs in der Ausbildung. Wie Kanzleien Auszubildende gewinnen, steht im Artikel Azubis für die Steuerkanzlei finden.
Kein Problem der Steuerberatung allein
Laut DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 können 36 Prozent der Betriebe in Deutschland offene Stellen zumindest teilweise nicht besetzen. Kanzleien konkurrieren also nicht nur untereinander, sondern auch mit Banken, Versicherungen und Industriebetrieben, die kaufmännisch ausgebildete Leute suchen.
Warum Stellenanzeigen so wenig bringen
Die meisten Steuerfachangestellten haben eine Stelle. Laut EY Jobstudie 2025 sucht etwa ein Viertel der Beschäftigten aktiv oder gelegentlich. Ein weiteres Drittel wäre bei einem passenden Angebot interessiert, schaut aber nicht auf Stellenbörsen. Wer nur dort inseriert, erreicht dieses Drittel nie.
Was Kanzleien tun, die trotzdem einstellen
- Sie gehen zu den Fachkräften. Anzeigen auf Instagram und Facebook erscheinen bei Menschen mit passendem Beruf in der Region, auch wenn sie nicht suchen.
- Sie werben mit Zahlen. Homeoffice-Tage, Urlaubstage, 13. Gehalt statt „attraktiver Vergütung“.
- Sie zeigen sich. Echte Gesichter aus der Kanzlei statt Stockfotos.
- Sie machen die Bewerbung leicht. Ein paar Fragen am Handy, Unterlagen später.
- Sie rufen schnell zurück. Am selben oder nächsten Werktag.
- Sie bilden aus. Auch wenn es Jahre dauert, bis es sich auszahlt.
Ein Beispiel
Die CURATOR Steuerberatung in Bergisch Gladbach hat auf diesem Weg in vier Monaten 54 qualifizierte Bewerbungen erhalten und vier Stellen besetzt, darunter eine Auszubildende. Das ist ein Einzelergebnis, zeigt aber, dass der Markt nicht leer ist. Die Fachkräfte sind da, sie lesen nur keine Stellenanzeigen. Mehr dazu beim Projekt CURATOR und auf der Seite Social Recruiting für Steuerberater.
Häufige Fragen
Wie groß ist der Fachkräftemangel in der Steuerberatung?
Laut STAX-Befragung der Bundessteuerberaterkammer wurden in Einzelkanzleien zuletzt nur knapp 40 Prozent der offenen Stellen besetzt, in Berufsausübungsgesellschaften knapp 70 Prozent.
Welche Stellen sind am schwersten zu besetzen?
Gesucht werden laut STAX vor allem Steuerfachangestellte und Steuerberater. Häufigster Grund für unbesetzte Stellen sind fehlende oder nicht passende Bewerbungen.
Wie viele Auszubildende gibt es?
Zum 1. Januar 2026 zählte die Bundessteuerberaterkammer 17.081 Ausbildungsverhältnisse zum Steuerfachangestellten, 1,3 Prozent weniger als im Vorjahr.
Was können Kanzleien gegen den Fachkräftemangel tun?
Ausbilden, konkrete Vorteile bieten und Fachkräfte ansprechen, die nicht aktiv suchen, zum Beispiel über Anzeigen auf Instagram und Facebook mit einer kurzen Bewerbung am Handy.
Quellen
- NWB: Umfrageergebnisse von STAX 2024 (Bundessteuerberaterkammer)
- IWW: Berufsstatistik der Bundessteuerberaterkammer, Zahlen für 2025
- EY Jobstudie 2025: Karriere und Wechselbereitschaft
- DIHK-Fachkräftereport 2025/2026
Abgerufen im Oktober 2026.
