Handwerker finden: So gewinnen Betriebe Gesellen und Meister
Handwerker finden Betriebe heute kaum noch über Aushang und Stellenbörse. Laut KOFA standen 2025 im Schnitt 209.444 offene Stellen in Handwerksberufen rund 139.000 passend qualifizierten Arbeitslosen gegenüber, fast jede zweite Stelle blieb rechnerisch unbesetzt. Gute Gesellen arbeiten bereits. Sie erreichen sie abends am Handy, mit einer Anzeige, die konkret wird, und einer Bewerbung ohne Lebenslauf.

Die Lage: Fast jede zweite Stelle bleibt offen
Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) am Institut der deutschen Wirtschaft hat die Lage im Handwerk für 2025 ausgewertet:
Jahresdurchschnitte 2025 laut KOFA Kompakt 7/2026
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Offene Stellen in Handwerksberufen | 209.444 |
| Passend qualifizierte Arbeitslose | 139.239 |
| Rechnerisch nicht besetzbare Stellen | 97.482 |
| Handwerksberufe mit Engpass | 59 von 115 |
35 dieser Berufe haben seit mindestens zehn Jahren Engpässe, besonders betroffen ist das Bauhandwerk. Mehr Aushänge ändern daran nichts, weil die Leute fehlen, die sie lesen könnten.
Wo gute Handwerker heute sind
Sie stehen auf einer Baustelle, bei einem anderen Betrieb. Und viele von ihnen wären offen für einen Wechsel, wenn das Angebot stimmt: Laut EY Jobstudie 2025 sucht ein Drittel der Beschäftigten nicht aktiv, wäre aber bei einer passenden Alternative interessiert.
Diese Leute erreichen Sie nicht über eine Stellenbörse. Sie erreichen sie abends, wenn sie auf dem Sofa durch Instagram oder Facebook scrollen.
Fünf Wege im Vergleich
- Empfehlungen aus dem Team: kostet eine Prämie, bringt oft die besten Leute. Sprechen Sie es aktiv an, statt darauf zu warten.
- Innung und Berufsschule: gut für Azubis und frisch Ausgelernte.
- Stellenbörse und Aushang: erreicht nur, wer gerade sucht.
- Social Recruiting: erreicht auch die, die schon arbeiten. Braucht ein Werbebudget und schnelle Rückrufe.
- Ausbildung: der langsame, aber verlässlichste Weg.
Was in Anzeigen für das Handwerk wirkt
Konkret werden
Schreiben Sie hin, was ein Geselle wissen will: Lohn oder Lohnspanne, Arbeitsbeginn, Einsatzgebiet, ob es ein Fahrzeug und ordentliches Werkzeug gibt, wie viele Urlaubstage. „Leistungsgerechte Bezahlung“ überliest jeder.
Den Betrieb zeigen
Ein Foto von der echten Baustelle mit dem echten Team wirkt stärker als jedes gestellte Bild. Wenn Sie kein Material haben: Ein halber Tag mit einem Fotografen reicht für Anzeigen, Website und Social Media. Mehr dazu unter Social Media und Content.
Die Bewerbung kurz halten
Ein Geselle schreibt kein Anschreiben. Vier Fragen per Klick genügen: Welcher Beruf, wie viele Jahre Erfahrung, Führerschein, ab wann. Dann Name und Telefonnummer.
Beispiel: 1.113 Bewerbungen für eine Baugruppe
Für die ARIKON Gruppe in Berlin und Brandenburg laufen seit 2023 Kampagnen für sehr unterschiedliche Stellen. Über 13 Bewerbungsstrecken kamen 1.113 Bewerbungen zusammen, unter anderem 327 für Fachkräfte im Kanalbau, 184 für Bau- und Projektleiter Infrastruktur und 45 für Dachdecker und Meister. Die Zahlen stammen aus den Bewerbungsstrecken selbst, Stand 10. Oktober 2026. Zum Projekt ARIKON.
Die Website entscheidet mit
Fast jeder Bewerber schaut sich Ihre Website an, bevor er zurückruft. Eine Seite von 2012 ohne Handyansicht sagt ihm, wie modern der Betrieb arbeitet. Eine einfache, saubere Seite mit Fotos vom Team und einer Karriere-Rubrik reicht. Was das kostet, steht im Artikel Was kostet eine Website?.
So fangen Sie an
- Diese Woche: Lohn, Arbeitszeiten und Vorteile in drei Sätzen aufschreiben. Team nach Empfehlungen fragen.
- Diesen Monat: Website prüfen, Fotos vom Betrieb machen.
- Danach: Kampagne starten und Bewerber am selben oder nächsten Tag zurückrufen.
Wenn Sie wissen wollen, ob Social Recruiting in Ihrer Region Aussicht hat, sagen wir Ihnen das im Erstgespräch ehrlich. Details auf der Seite Handwerk und Bau.
Häufige Fragen
Wie finde ich als Handwerksbetrieb Mitarbeiter?
Über Empfehlungen aus dem Team und über Anzeigen auf Instagram und Facebook, die in Ihrer Region an Menschen aus dem Handwerk ausgespielt werden. Die Bewerbung sollte am Handy in einer Minute erledigt sein.
Bewerben sich Handwerker wirklich über Social Media?
Ja. Für die ARIKON Gruppe kamen über 13 Bewerbungsstrecken 1.113 Bewerbungen zusammen, darunter Fachkräfte im Kanalbau, Bauleiter und Dachdecker.
Was sollte in einer Stellenanzeige fürs Handwerk stehen?
Lohn oder Lohnspanne, Arbeitszeiten, Einsatzgebiet, Fahrzeug und Werkzeug, Urlaubstage. Je konkreter, desto mehr Bewerbungen von Leuten, die wirklich passen.
Brauche ich dafür eine neue Website?
Nicht zwingend. Bewerber schauen aber fast immer auf Ihre Website, bevor sie zusagen. Wirkt sie veraltet, springen viele ab.
Quellen
- KOFA Kompakt 7/2026: Fachkräftesicherung im Handwerk (Institut der deutschen Wirtschaft)
- EY Jobstudie 2025: Karriere und Wechselbereitschaft
Abgerufen im Oktober 2026.
